Eine Million Erbschaft – großes Dilemma für den Erben
„Das ist ein atemberaubendes Gebäude, in dem man noch die Äste arbeiten sieht“, sagte Autor Peter Blickle am vergangenen Sonntag begeistert von unserer schönen Bücherei, die dazu noch bis auf den letzten Platz besetzt war. Er machte uns mit seinem Roman „Die Erbschaft“ bekannt, indem er abwechselnd Auszüge aus dem Buch las und erzählte. Als er selbst einmal von einem Anwalt nach seinen Erben gefragt wurde, entstand die Idee zum Buch: Was kann Erbschaft mit einer Person tun?
Daniel, der Deutsch als Fremdsprache lehrt und sich gerade so über Wasser halten kann, bekommt einen Brief aus den USA, in dem er zum Alleinerben seines in jungen Jahren ausgewanderten Onkels Johannes erklärt wird. Als Kinder spielten sie „reicher Onkel aus Amerika“, damals hätte Daniel sich Oliver-Kahn-Handschuhe geleistet. Aber nun eine Million? Und warum gerade er und nicht seine Schwester Ruth oder Mutter, Johannes‘ Schwester? Natürlich wird er mit ihnen teilen und auch Freunden was davon abgeben. Er nimmt das Erbe an und reist nach Amerika, wo ihm seine Nachlassvollstreckerin sogleich eröffnet, dass sie 10% des Vermögens erhalte. Das wären 100.000 €, eine wahnsinnige Summe, die sich Daniel nicht vorstellen kann. Er wohnt im Haus seines Onkels, das an einem See liegt und ihm sehr gut gefällt. Dort kämpft er sich durch dessen Zahlenmorast: Aktien, Rentenversicherungen, Anlagen in verschiedenster Form. Wenn er alles auflöste, blieben ihm 1,2 Millionen, allerdings müsste er sowohl in den USA als auch in Deutschland Steuern bezahlen, dann blieben ihm nur noch 740.000 €. Er spürt das Gift der Zahlen, ihm wird ganz schwindlig – allerdings geht auch ein Sog von dem Geld aus, es richtet was an mit Daniel. Er schwankt zwischen der Möglichkeit eines sorgenfreien Lebens und seinem sozialen Gerechtigkeitssinn hin und her, sein Gewissen plagt ihn, er wäre dann einer der Reichen, die er ja bisher verachtet hat. Es geht ihm immer schlechter, er kann nicht mehr schlafen und ist nicht mehr der, der er vorher war. Er und eine Million – er will sich nicht schämen müssen…
Natürlich verriet Peter Blickle nicht den Ausgang von Daniels Zerrissenheit und damit der Geschichte. Es gibt ja die Möglichkeit, das Buch auszuleihen. Auch konnte man den Roman erwerben und vom Autor signieren lassen. Die Zuschauer dankten dem Autor mit langem Applaus für seinen spannenden Vortrag und stellten auch noch einige Fragen. Schön, dass anschließend noch viele blieben, um sich bei einem Gläschen Sekt über das Gehörte und auch mit dem Autor zu unterhalten.
Herzlichen Dank Peter Blickle für diesen schönen Abend, allen Gästen für ihr Kommen und den fleißigen Helferinnen beim Aufräumen.
Peter Blickle bei seinem spannenden Vortrag...
... vor voll besetzter Bücherei